Glück? Was bedeutet
das für uns? Unsere Vorstellung von Glück sind ganz unterschiedlich.
Meist ist die Vorstellung von Glück aber verbunden mit unseren Begabungen
und Fähigkeiten, dem materiellen Besitz oder dem sozialen Status.
Beobachte einmal ganz nüchtern
einen Tag und stelle dir selbst die Frage, wie er war. Worauf basiert deine
Beurteilung des Tages? Manchmal erledigst du alle Dinge mit großer Leichtigkeit,
obwohl du auf Probleme gestoßen bist. Wenn du dich in einer guten Verfassung
befindest, fällt es dir leicht, mit allem umzugehen, einfach, weil du
ein gutes Gefühl in dir hast. Du denkst positiv, du bist gelassen, und
deshalb ist es für dich einfach, mit den Dingen umzugehen. Du kommst
nach Hause und sagst: "Heute war ein guter Tag." Es gibt auch Tage, an denen
nicht viel passiert: Du bist vielleicht viel im Haus, hörst Musik, liest
ein schönes Buch oder schläfst, du hast Zeit für dich. Es gab
keine Probleme, aber am Ende des Tages hast du doch das Gefühl, dass
es kein besonders guter Tag war. Es hätte für dich besser sein können.
Du hast dich einfach nicht gut gefühlt. Der Geist war vielleicht zu unruhig
und du hattest viele Gedanken, du hast dir Sorgen gemacht und das hat dich
erschöpft und viel Energie gekostet. Daher kam das Gefühl, dass
es kein besonders guter Tag war.
So wie du dich dem Leben
gegenüber fühlst und wie erfüllt du lebst, das allein ist wichtig.
Um dieses gute Gefühl aufrecht zu erhalten, tust du endlos viele Dinge.
Betrachte all die Dinge die du bereits besitzt, und sieh andererseits was
du alles noch kaufen möchtest. Industrie und Dienstleistungsgewerbe produzieren
immer mehr, um neue Wünsche in dir zu erwecken. Dies erlaubt dir nicht,
die Zufriedenheit zu finden. Immer wieder heisst es: "Hier gibt es wieder
etwas Neues! Du kannst es dir noch schöner machen!" Trotz der Tatsache,
dass dich vieles umgibt, was dir das Leben angenehm gestalten kann, fühlst
du dich nicht wirklich gut. Diese äußeren Annehmlichkeiten machen
dich immer verletzlicher. Schon sehr kleine Dinge, wie die falsche Temperatur
oder die harte Matratze können dir Unannehmlichkeiten bereiten, und du
fühlst dich nicht mehr wohl. Alles muss perfekt sein. Nur eine Kleinigkeit
stimmt nicht, und schon bist du schlechter Laune. Du wirst immer schwächer,
immer verletzlicher, deine Fähigkeit, mit den Veränderungen des
Lebens zurecht zu kommen, stirbt langsam ab.
Du bist allerdings schlau
genug, den dadurch entstehenden Leidensdruck zu rechtfertigen. Einen Grund
außerhalb von dir zu finden, das ist bequemer. Du leidest, weil dein
Partner dich stört, dein Nachbar zu laut ist oder dein Boss dich nervt.
Die Welt ist nicht okay für dich. Irgendwo in der Welt passiert immer
etwas, was dir nicht gefällt.
Nehmen wir einmal an, du
machst eine Liste über alles, was dich stört. Schreibe einen Monat
alle Misstände auf, die für dich in dieser Welt bestehen. Stelle
dir nun vor, eine Weile ist die Welt so, wie du sie dir als perfekt vorstellst.
Für eine Weile würdest du "Ja" sagen. Aber am zweiten Tag würdest
du auch in der perfekten Welt etwas finden, von dem du sagen würdest:
"Das könnte besser sein. Hier und da könnte man noch etwas verändern",
und deine Klagen würden wieder beginnen. Der Geist wird dann wieder unruhig.
Du gehst durch einen Leidensdruck auch ohne äußeren Anlass, weil
der Leidensdruck in dir ist. Sehr schnell findest du einen anderen Grund,
dein Leid zu rechtfertigen. Es hört nicht auf. Selbst wenn du die Möglichkeit
hättest, jede Situation nach deinem Wunsch zu verändern, so würde
dich dies dennoch nicht von deinem Leid befreien.
Ein Leben ohne Probleme
zu erwarten, ist nicht die Lösung für die Herausforderungen des
Lebens. Die Lösung ist, mit diesen Problemen richtig umzugehen. Wenn
du das lernst, wird ein Problem schwächer. An den Tagen, an denen du
mit guter Laune aufwachst, sind Probleme schwach und klein. Sie sind nicht
gelöst, die Situation hat sich nicht geändert. Dies bedeutet, dass
deine persönliche Verfassung die Intensität des Problems bestimmt.
Wenn du das verstehst, eröffnen sich dir praktische Möglichkeiten,
mit den Problemen umgehen zu können. Bist du guter Laune und fühlst
dich wohl, dann hast du die Stärke, mit den Herausforderungen des Lebens
umzugehen. Dieses Gesetz ist anwendbar auf den gesamten psychischen Bereich
des Leidens.
Es gibt natürlich
auch rein praktische Probleme, bei denen jeder weiß, was zu tun ist.
Wenn du Schmerz verspürst, wenn du Hunger hast oder durstig bist, wenn
dein Haus brennt, dann ist das ein praktisches Problem. Hier liegt die Lösung
meist in einer bestimmten Handlung. Aber dieser Problembereich bereitet dir
im allgemeinen keine Sorgen. Der größte Teil des Leidens gehört
in den Bereich der Emotionen. Die emotionalen und sentimentalen Probleme kannst
du nicht überwinden, indem du handelst. Wenn das gute Gefühl im
Leben verloren geht, multipliziert sich das Leid.
Wenn du zur Quelle aller
Erfahrungen gehst, erkennst du die einfache Tatsache: Du fühlst dich
gut oder du fühlst dich nicht gut in einer bestimmten Situation. Angefangen
vom unbewussten Atmen, bis hin zur intelligentesten und bewusstesten Handlung
wie Meditation, geschieht alles nur in der Absicht, vom schlechten Gefühl
loszukommen oder ein gutes Gefühl zu intensivieren. Du tust alles nur,
um dich gut zu fühlen. Das klingt sehr einfach und ist es auch. Betrachte
alle deine Handlungen, und du wirst feststellen, dass du alles in dieser Absicht
tust.
Niemand kann dieses einfache
gute Gefühl vollkommen erklären. Alles im Leben bekommt seine Bedeutung
auf Grund dieses Gefühls. Alles, was du in dieser Welt liebst, angefangen
vom Partner, über dein Auto bis zu dem Baum im Garten, trägt zu
diesem guten inneren Gefühl bei. Also liebst du eigentlich dieses Gefühl
in dir. Du tust alles, um dieses gute Gefühl zu behalten. Es ist der
bestimmende Faktor deines Lebens. Das kannst du nicht beweisen oder demonstrieren.
Es beweist sich aus sich selbst. Es ist rein subjektiv. Du erfährst das
Gefühl. Du brauchst nichts von außen, um es wahrzunehmen.
So wie das Gefühl
ist, so siehst du die Welt. Mit dem guten Gefühl ist die Welt schön,
wenn das gute Gefühl verloren ist, erscheint die Welt schrecklich. Es
ist an sich nicht greifbar, aber es bestimmt die Qualität deiner Emotionen,
deines Verstandes und deines ganzen Lebens. Es ist der bestimmende Faktor
für ein glückliches Leben, und der liegt ganz in dir selbst. Du
brauchst nichts, um das zu betrachten. Auch jetzt ist das Gefühl in einem
gewissen Ausmaß da. Wie fühlst du dich jetzt? Verbinde dich mit
dem Gefühl!